Haariges

Wo lassen Sie die Haare schneiden?

Haarschnitt

Was ist nur los mit den Friseuren? Irgendwas tun sie denen während der Gründungsberatung in der Wirtschaftskammer (oder sonst wo, was weiß ich…) in den Tee, wenn es um die Benamsung der Firma geht.

Ich hab mal kurz durch ein brancheneinschlägiges Verzeichnis geblättert und bin auf diese Latte von an den Haaren herbeigezogenen (sic!) Salon-Namen gekommen: Haargenau, Haarspalter, Abschnitt, Schnittpunkt, Haarmonie, Haarscharf, dazu Schneideraum oder auch Kopfarbeit. Wie kommen die nur drauf? Es muss eine einleuchtende Erklärung geben.

Liegt hier vielleicht eine déformation professionelle vor? Friseure sind ja per se sprachlich begabt. Das weiß man als Mann zwar nicht aus eigener Erfahrung, aber doch als Zeuge ausführlicher Erörterungen über die Vorzüge türkischer Urlaubsorte oder aubergine-roter Haartönungen zwischen Schnittführerin und Kundin am Behandlungsstuhl nebenan. Nie hätte ich allerdings vermutet, dass diese Affinität zur Muttersprache gerade in dieser Branche so großen Einfluss auf die Firmenbezeichnung hat – selbst im extrovertierten Gastgewerbe ist der Wortwitz nicht so präsent, vom gastronomischen Apos’troph mal abgesehen…

Eine ganz verzwickte Erklärung fiele mir dann doch noch ein: Die neue deutsche Rechtschreibung ist schuld.

Und zwar darum: Nach dem vielen Hin und Her hatten es die Damen und Herren satt, ihr Briefpapier fast schon jährlich neu zu kaufen: Friseur, Frisör, Friseuse, Friseurin, Coiffeur, Coifför – davon koppelt man sich als Haarschneider mit Kostenbewusstsein gerne ab und geht zukünftig mit einer selbst erfundenen Berufsbezeichnung durchs Leben.

Foto: Extrem beschnitten von designritter bei photocase.com.

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